Behandlungskonzept nach Prof. Dr. Vojta

weitere Infos: www.vojta.com

Der Gründer dieser Therapieform, Prof. Dr. Vaclav Vojta lebte seit 1968 in Deutschland. Er war Neuropädiater und Neurologe, lehrte und arbeitete viele Jahre am Kinderzentrum in München und dozierte u.a. an der Karls-Universität in Prag. Am 12. September 2000 starb Professor Vojta nach kurzer, schwerer Krankheit.

Prof. Dr. Vojta hat erstmals in den 50er Jahren herausgefunden, daß man in die Steuerung des Gehirns eingreifen kann, um Haltung und Bewegung zu beeinflussen. Ein gezieltes Bewegen gegen Widerstand verbesserte die Gesamtsituation der Patienten. Durch Beobachten, Analysieren, Vergleichen und durch das Achten auf bestimmte Gesetzmäßigkeiten entstand, was wir heute als Bahnungssystem Vojta, Vojta-Konzept oder Reflexlokomotion bezeichnen.

Der Grundgedanke der Therapie besteht aus einem ganzheitlichen Konzept:

  • Jede Art von Bewegung oder Haltung ist fest im Gehirn (Axisorgan mit dem  Zentralnervensystem) einprogrammiert. So ist auch eine skoliotische Fehlhaltung im Gehirn eine "Programmstörung" mit entsprechender Haltungs- und Bewegungsstörung als sichtbarem Ausdruck.
  • Die "ideale Motorik" mit allen feinen Bewegungen und Gleichgewichtsreaktionen soll wieder hergestellt werden.
  • Die Reflexfortbewegung nach Vojta ist während des ganzen Lebens (von Geburt an bis ins hohe Alter) abruf- und anwendbar.
  • Die Reflexfortbewegung ist bei jeder Störung von Haltung und Bewegung einzusetzen. Je früher die Behandlung beginnt, desto effektiver kann der Bewegungsstörung entgegengewirkt werden.
  • Bei Skoliosen und allen anderen orthopädischen Fehlhaltungen zeigt sich durch die Vojta-Therapie sehr deutlich eine verbesserte Haltung.

Wie wird therapiert ?

1. Die Reflexfortbewegung wird in ganz bestimmten Ausgangslagen ausgeführt.

2. Durch Druck an genau festgelegten Zonen oder Punkten werden Reize gesetzt.

3. Diese Zonen müssen durch dreidimensional gesetzte Reize stimuliert und verstärkt werden.

Ausgangslage, Druckrichtung Druckstärke und Dauer werden gemeinsam erarbeitet und jedem Patient angepasst.

Welche Ausgangsstellungen werden eingesetzt ?

Es gibt drei Grundpositionen und über 20 verschiedene Variationen dazu. Es werden immer horizontale Ausgangsstellungen gewählt, weil diese entwicklungsgeschichtlich näher am "Mangel" und am falschen "Haltungsmuster" dran sind, als die aufrechte Haltung.

Ausgangsstellung Bauchlage: Hier wird das Reflex-Kriechen ausgelöst

Ausgangsstellung Rückenlage: Hier wird das Reflex-Umdrehen 1. Phase ausgelöst.

Ausgangsstellung Seitenlage: Hier wird das Reflex-Umdrehen 2. - 4. Phase ausgelöst.

Was bedeuten Zonen und Reize ?

Prof. Dr. Vojta beschreibt neun verschiedene Zonen und zwei "Widerstands-Zonen", alle wurden empirisch gefunden. Durch Kombination verschiedener Zonen und durch Druck- oder Zugreize werden die Reflexlokomotionen in Gang gesetzt. Der Patient reagiert mit einer Bewegungsantwort, die vorher schon ganz genau definiert werden kann.

Die Reizmenge (Anzahl der Zonen) und die Reizdauer (wie lange eine Zone stimuliert wird) ist ebenfalls wichtig.

Bestimmte Bewegungen werden zusätzlich durch Widerstände gebremst, d.h. isotone (dynamische) Kontraktionen werden in isometrische umgewandelt. So bekommen die Muskelketten umgekehrte Reize, welche für die Gleichgewichtsregulationen unbedingt Voraussetzung sind.

Was bedeutet Bahnung ?

Bahnung bedeutet Erleichterung das motorischen Prozesse. Durch die Reflexlokomotion werden bestimmte physiologische Muster in Gang gesetzt und der Patient selbst schafft den Zugang zu seinem Zentralnervensystem. Gerade bei der Skoliose erreicht man durch die Bahnung der Reflexlokomotion die Muskelgruppen, die "unbewußt und nicht kommandierbar" sind. Es sind alle Muskeln (autochthone Muskeln), die direkt an der Wirbelsäule sitzen und die hauptsächlich für die skoliotische Fehlhaltung verantwortlich sind.

Welche positiven Effekte kommen dazu ?

  • verbesserte Hautdurchblutung (Hautfarbe und -temperatur)
  • Verdauungs- und Miktionsrhythmus normalisieren sich
  • Atmung verbessert sich, Vitalkapazität steigert sich, Stimme wird lauter und kräftiger
  • Sagittaler Thoraxdurchmesser wird größer
  • Längenwachstum der Röhrenknochen wird aktiviert (weniger Frakturen)
  • Innere Wahrnehmung verbessert sich (Propriozeption)
  • Gleichgewichtsreaktionen verbessern sich

Zusammenfassung

Bei der Voja-Behandlung wird unser Gehirn angeregt, das Programm der angeborenen idealen Bewegungsmuster in Gang zu setzen. Die Anwendung muß zwei bis vier mal täglich erfolgen. Es kann erreicht werden, daß der Patient den ganzen Tag eine verbesserte Haltungs- und Bewegungsmöglichkeit hat und diese auf Dauer in seine Spontanmotorik einsetzt. Ebenso werden die Wahrnehmungsmöglichkeiten über den Körper deutlich verbessert. Die Reflexlokomotion ist zwar anstrengend, aber effektiv !

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Fortschreiten verhindern

Ziel der Langzeitbehandlung bei Multipler Sklerose (MS) ist es, die Entzündungen im Zentralen Nervensystem (ZNS) zu hemmen,

neuen Schüben vorzubeugen oder deren Stärke zu mildern. Die Medikamente sollen zudem das Fortschreiten der MS verhindern.

Eine Langzeitbehandlung garantiert aber nicht, dass der Patient in dieser Zeit keine Beschwerden hat. Ob und wie gut eine Therapie

bei einem Patienten anschlägt und wie sich die Krankheit mit oder ohne Behandlung entwickeln würde,

lässt sich trotz intensiver Forschung bislang nicht vorhersagen.

 

Frühzeitig beginnen

Bei einem MS-Schub werden nicht nur die Myelinscheiden der Nervenaxone zerstört, sondern auch die Axone selbst angegriffen.

Schon zu Beginn der Erkrankung können sie geschädigt und sogar abgebaut werden - sie sind dann für immer verloren.

Sie können sich aber auch wieder erholen und ihre Funktion wieder aufnehmen. Dies gelingt aber nicht immer, dann gehen sie

endgültig zugrunde.

Bei manchen MS-Kranken lässt sich dies an Gehirnaufnahmen mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT) erkennen.

Die Gehirnmasse nimmt im Lauf der Erkrankung kontinuierlich ab (1). Diese "Gehirnschrumpfung" heißt Atrophie.

Um einen Verlust von Nervenfasern zu verhindern, sollten MS-Patienten möglichst früh mit einer Langzeittherapie beginnen,

raten Experten (1).

 

Angriffsziel Immunsystem

Die Medikamente, die bei der Langzeittherapie eingesetzt werden, zählen zu den Immunmodulatoren bzw. Immunsuppressiva.

Mit immunmodulatorischen Wirkstoffen lassen sich Immunreaktionen gezielt verändern. Immunsuppressiva sollen dagegen

Aktivitäten des Immunsystems unterdrücken.

Oft werden alle Medikamente für die Langzeittherapie vereinfacht unter dem Begriff "Immunmodulatoren" zusammengefasst

oder "Immunprophylaktika" genannt.

In Deutschland sind folgende Wirkstoffe für eine Langzeitbehandlung zugelassen bzw. werden von der Fachgesellschaft für

Neurologie empfohlen:

 

Wirkstoff

Verabreichung

Interferon-ß 1a

Je nach Präparat eine oder drei Spritzen pro Woche in den Muskel (intramuskulär) oder unter die Haut (subkutan).

Interferon-ß 1b

Eine Spritze jeden zweiten Tag subkutan.

Glatiramer-Azetat

Eine Spritze täglich subkutan.

Azathioprin

Als Tablette, die Dosis hängt vom Körpergewicht ab und wird nach Kontrolle des Blutbilds ermittelt: meist 2-3 mg/kg Körpergewicht.

Mitoxantron

Kurzinfusion alle drei Monate in die Vene (intravenös).

Natalizumab

Kurzinfusion alle vier Wochen intravenös.

 

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose ist eine entzündliche Entmarkungserkrankung des Zentralnervensystems (ZNS) mit bislang ungeklärter Ursache. Die Erkrankung kann ganz unterschiedlich verlaufen und beginnt meist im frühen Erwachsenenalter.

Die Bezeichnung Multiple Sklerose beruht auf der Beobachtung, daß sich im ZNS von Erkrankten mehrere (multiple), verhärtete (sklerotische) Herde finden lassen. Eine oft synonym verwendete Bezeichnung dieser Erkrankung lautet Enzephalomyelitis disseminata (ED). Übersetzt heißt dies: eine im Gehirn (Enzephalon) und Rückenmark (Myelon) verstreut (disseminiert) auftretende Entzündung.

Was wird bei Multiple Sklerose geschädigt?

Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden. Diese Signale werden von spezialisierten Zellen, den Nervenzellen, in Form elektrischer Impulse weitergeleitet. Um eine hohe Fortleitungsgeschwindigkeit der elektrischen Ströme zu gewährleisten, sind die Nervenzellen ähnlich wie elektrische Kabel von einer Isolierschicht umgeben. Diese Isolierschicht besteht aus einer sehr fettreichen Substanz, die als Myelin bezeichnet wird. Diese aus Myelin bestehende Isolierschicht, auch Myelin- oder Markscheide genannt- wird ebenfalls von spezialisierten Zellen gebildet, den sogenannten Oligodendrozyten.

Bei Multiple Sklerose kommt es innerhalb dieser verstreut liegenden Entzündungsherde zum Abbau der Markscheide (Entmarkung) und zum Verlust der Oligodendrozyten. Durch diese Schädigungen entstehen Störungen an der Fortleitung elektrischer Impulse in verschiedenen Bereichen von Gehirn und Rückenmark. Je nach Lokalisation der Entmarkungsherde entwickeln sich die vielfältigen Krankheitssymptome der Multiple Sklerose, wie Lähmungserscheinungen, Gefühl- und Gleichgewichtsstörungen und Sehschwäche.

Das Auftreten von einem oder mehreren (multiplen) Entzündungsherden mit entsprechenden körperlichen Störungen und Ausfällen nennt man Schub. Ein Schub hat nichts mit einem plötzlichen Anfall zu tun - meist entwickelt er sich innerhalb von Stunden oder Tagen und klingt nach einiger Zeit wieder ab. Nach dem Schub kann eine Rückkehr zur normalen Funktion eintreten.

Was verursacht Multiple Sklerose?

Die Ursachen der Multiple Sklerose sind trotz intensiver Forschung nicht geklärt. Man nimmt an, daß der Multiple Sklerose ein ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt. Neben genetischen Faktoren und Umweltfaktoren (möglicherweise Viruserkrankungen) scheint das Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem, eine zentrale Rolle zu spielen. Das Immunsystem schützt normalerweise vor einer Infektion durch Viren, Bakterien oder anderen Krankheitserregern, indem es diese Keime als "körperfremd" erkennt und unschädlich macht. Für die Funktionalität des Immunsystems ist diese Befähigung zur Unterscheidung zwischen "körpereigen" und "körperfremd" von fundamentaler Bedeutung. Ein Versagen des Immunsystems, körpereigenes Gewebe zu tolerieren, kann zu sogenannten Autoimmunprozessen führen, die häufig von Krankheitserscheinungen begleitet sind und dann als Autoimmunerkrankungen bezeichnet werden. Nach heutiger Erkenntnis scheinen auch bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Multiple Sklerose Autoimmunprozesse beteiligt zu sein.

So gibt es Hinweise für eine Fehlsteuerung des Immunsystems, die zur Bildung von Antikörpern führt, die sich wiederum an die Schutzhülle der Nervenfasern heften und dort Schädigungen und Störungen verursachen können. Vermutlich müssen mehrere Bedingungen und Einflüsse zusammentreffen, damit die Multiple Sklerose überhaupt ausgelöst wird. Zahlreiche Forscherteams beschäftigen sich damit, die komplizierten Steuerungsvorgänge des Immunsystems aufzudecken.

Um das Rätsel "Multiple Sklerose" zu lösen, wird weltweit und intensiv geforscht. Die Multiple Sklerose-Gesellschaften haben es sich mittlerweile auch zur Aufgabe gemacht, die Forschung zu unterstützen, die Forschungsergebnisse zu sammeln und weiterzuvermitteln, sowie das öffentliche Interesse für diesen so wichtigen Forschungsbereich zu wecken und wachzuhalten.

Medikamente und Therapien

Während oder nach Schüben wird seit vielen Jahren Kortison eingesetzt; es wirkt vorwiegend im Schub entzündungshemmend. Nicht jeder Schub muß zwangsläufig mit Kortison behandelt werden. Besonders leichtere Schübe können spontan abklingen und ausheilen. Andererseits gibt auch das Kortison keine feste Garantie für eine folgenlose Rückbildung der Beschwerden. Jedes Medikament wirkt in jeder Situation anders. Höhe und Dauer der Kortison-Therapie werden deshalb individuell abgestimmt, auch in Anbetracht von Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Von einer Langzeiteinnahme des Kortisons ist eindeutig abzuraten. Patienten sollten sich gründlich vom behandelnden Arzt über Pro und Contra des Kortisons informieren lassen. Eine Vielzahl anderer Medikamente (z.B. Betainterferone, Copolymer-1, Azathioprin, Methotrexat usw.) greifen regulierend oder unterdrückend in das Immunsystem ein. Dadurch kann sich bei einigen Patienten das Fortschreiten der Multiple Sklerose verlangsamen. Man erhofft sich von diesen Medikamenten, dass sie die Fehlsteuerung des körpereigenen Abwehrsystems unterdrücken.Für Multiple Sklerose-Erkrankte mit schweren häufigen Schüben können sie unter Umständen sinnvoll sein, um von einer aktiven Krankheitsphase in eine stabile Phase überzuleiten.

Auch wenn es zur Zeit noch keine allgemeingültige Therapie mit Sicherheit auf Heilung der Multiple Sklerose gibt, so gibt es doch eine Vielfalt von etablierten Behandlungen, die Symptome der Multiple Sklerose günstig beeinflussen können.

Gibt es zur Schulmedizin Alternativen?

Da die traditionelle Medizin die Multiple Sklerose zur Zeit noch nicht heilen kann, ist es nur verständlich, daß viele Patienten sich zur Schulmedizin alternativen und ergänzenden Möglichkeiten (Naturheilverfahren, Körperwahrnehmungsübungen usw.) zuwenden. Mitunter ist Skepsis gegenüber einigen Therapievorschlägen außerhalb der Schulmedizin angebracht und der kritische Rat Ihres Arztes erspart oft kostspielige oder nicht immer ganz ungefährliche Therapien.

 

Quellen und Links

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG)

ᅱsterreichische Multiple Sklerose Gesellschaft (ᅱMSG)

International Federation of Multiple Sclerosis Societies and World of Multiple Sclerosis;

Great Britain & Northern Ireland MS Society

eTrain MS ist ein online-Lernprogramm zum Krankheitsbild der Multiplen Sklerose, das von DMSG-Bundesverband und AMSEL unter fachlicher Begleitung von Mitgliedern des ärztlichen Beirates der DMSG entwickelt wurde.

Es richtet sich an MS-Erkrankte, deren Angehörige und Freunde sowie an Interessierte, die sich ein solides Wissensfundament über Multiple Sklerose aneignen möchten.

Quelle: DMSG Bundesverband

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Uwe Stommel

Uwe Stommel

Diagnose MS seit 1999

DMSG zertifizierter Betroffenen-Berater seit 2004

Leiter Kontaktkreis Ruppichteroth

Vorsitzender DMSG Landesbeirat der Kontaktkreise NRW

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Michael Wendel

Michael Wendel

Diagnose MS seit 15 Jahren

DMSG zertifizierter Betroffenen-Berater seit 2007

Stellvertretender Leiter Kontaktkreis Ruppichteroth

 

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